Über vertikale und horizontale Gedanken*

*KI-freier Text

Übersicht

Wir werden einen kleinen Blick in die Geschichte der Psychologie und Psychotherapie wagen, ohne KI zu bemühen, also alles dazu aus Sicht des Autors betrachten, dann beschreiben, wie du denkst und was du denkst. Was man mit der Unterscheidung machen kann. Und warum es wichtig ist, all das zu wissen. 


„Sage ich mal so“ – allerorten ist das lax Gesagte schlecht gedacht. Erkenntnis entsteht durch Aufmerksamkeit und Unterscheidung, weiß schon die Vedische Philosophie des alten Indien. Ähnlich bemerkenswert ist vielleicht Kommissar Charly Chan auf Hawai (1944), der gern Konfuzius zitierte, um seine Mordfälle gemeinsam mit seinem Sag-ich-mal-so-Sohn-Nr.2 zu lösen, wobei der Sohn meistens falsch liegt, und Chan ihn dann erinnert: „Konfuzius sagt: Gedanken jagen einander, aber haben kein Ziel.“

 

Wie man lebt ist das, was man denkt oder fühlt. Was gefühlt wird ist das, was unbewusst oder bewusst gedacht wird. Gibt es unbewusste Gedanken, und falls ja, darf man diese Gedanken nennen, fragte schon Ludwig Wittgenstein.

 

Ob die unbewussten Gedanken zum Denken gehören, dürfen gern die Philosophen entscheiden. Wir Blackbox-Denker (Verhaltenspsychologen) haben uns längst entschieden – nicht erst mit dem Aufkommen der Neuropsychologie: ja, sie gehören, und sie tun etwas mit uns! Schon glauben manche Kollegen, die Blackbox wird durch Bildgebende Verfahren das Ende der Gehirngeheimnisse erdulden müssen, und bald könnten wir am Bildschirm sehen, was da drüben gedacht wird. Und bereits dem Minority-Report blieb die gedachte Zukunft nicht verborgen.

 

Dabei ist das, was die unbewussten Gedanken mit uns tun seit Menschengedenken absolut wirkungsmächtig, obwohl oder weil wir wenig davon wahrnehmen. Das war ja der Schrecken, den Sigmund Freud vor über 120 Jahren über die Welt jagte: es gibt das Unbewusste, gruselig unsichtbar, mit wilden Augen und borstigen Haaren, schlimmer noch: Jeder hat seins. 

 

"Die vollends aufgeklärte Welt erstrahlt im Zeichen triumphalen Unheils“, war die große Erkenntnis von Adorno und Horkheimer, dass es keine vollendete Aufklärung geben kann. Das Unbewusste behauptet sich, es gehört zum Menschen wie der Apfel zu Adam. Die These hier ist: das Unbewusste ist ebenso Teil der Quelle enormer Aktivität sowie großen Unglücks. Das von der Leine gelassene Unbewusste neigt zum Terror, zur Gewalt, zum Autokratismus , zum Wahnsinn. Eine Reaktion aufder Kultur und Staatskunst war die Idee der Gewaltenteilung, um der meist zerstörerischen Alleinherrschaft eines vom Unbewussten getriebenen Despoten zu erschweren.   

 

Diese Erkenntnis hat also (lange bevor das Unbewusste seien Namen bekam) zu Normen und Regeln geführt, zu Katechismen und Verabredungen, Verträgen und Gesetzen. Freud und Nietzsche haben das alles aufgeschrieben. Sie waren nicht die Ersten, aber vielleicht jene, denen es vor den Konsequenzen und Zusammenhängen gruselte. 

 

Nun haben unsere intellektuellen und wissenschaftlich geschulten Vorfahren viel darüber nachgedacht, WAS wir denken (Inhalt) – bewusst oder unbewusst. Die Idee war eigentlich einfach: beschreibe, was du siehst, und du weißt, was der Fall ist. Viele glauben das noch heute. Aber die Idee bekam Flügel und machte sich auf zu beschreiben, was möglich sein könnte. Das Denken solcher Inhalte kennt keine Grenzen. Ein Teil der beschriebenen Welt wurde Fantasy in der Literatur, Verschwörung in der politischen Gesellschaft und – ja, Theorie in der Theorie. Überflüssig zu sagen, dass ausgerechnet die Psychologie als empirisch-hermeneutische Wissenschaft auf die Suche nach der verlorenen Zeit – und dabei nicht selten selbst – verloren ging.

 

(Wem es zu üppig wird, der kann den kursiven Abschnitt überspringen.)

 

Es waren die amerikanischen Behavioristen, die dem Treiben der Psychologie die bunten Blätter verdunkelten und über die Psychologie der alten Welt als Black Box lästerten. Man könne nur über das psychologisieren und Therapien anbieten, was man beobachten (messen!) kann. 

 

Die Verhaltenstherapie als Nachfolger der Black-Box-Denker, hat ihren Platz in der therapeutischen Welt behauptet und kann in der Tat deutlich bessere Therapieerfolge vorweisen, als die in die Jahre gekommene alte Psychoanalyse (die sich inzwischen ebenfalls selbst erneuert.) 

 

Die Antwort auf Analyse und Behaviorismus kam mehr oder weniger prompt: mit der Humanistischen Psychologie und der Gestaltpsychologie begann Mitte des vergangenen Jahrhunderts parallel zur Verhaltenspsychologie etwas Neues, das eigentlich der Urgedanke der Psychologie war: die Frage danach, was der Mensch IST. Das führte auch zur Frage, ob mit den Axiomen und Paradigmen der bisherigen Formen des Nachdenkens diese Frage überhaupt zu beantworten war. Gleichzeitig öffneten Abraham Maslow, Erik Fromm, John Gottman, Gregory Bateson, Fritz Perls, Karen Horney und Andere das Feld für das, was man heute Psychologische Spiritualität nennt. Man fragte: wie kann das Unkennbare erforscht werden, wenn die Frage, was der Mensch sei ohne den Blick auf die Transzendenz nicht zu beantworten ist? 

      

Mit der Frage, was der Mensch sei sind wir dann erneut bei den Vordenkern unserer Zeit. Manche (Immanuel Kant, Ludwig Wittgenstein) haben nämlich darüber nachgedacht, WIE wir denken – ein Paradigmen-Angebot mit enormen Folgen, die beinahe übersehen worden wären, obwohl es vermutlich DIE entscheidende Frage ist – genauer gesagt: insgeheim schon immer war. 

 

Vielleicht angeregt von Wittgenstein, aber wohl auch von der Frage, was erfolgreiche Therapeuten (Virginia Satir, Fritz Perls und Milton Erickson) erfolgreich machte, legten der Literaturprofessor John Grinder und der Mathematiker Richard Bendler therapeutische Verhaltensmuster der Meisterpsychologen offen, die sie vorwiegend als Sprachverhalten identifizierten, analysierten und beschrieben. Daraus entwickelten sie Change-Methoden, die als Neurolinguistisches Programmieren (NLP) etwas heruntergekühlt die gesamte Psychotherapie der 80er und 90er Jahre und eigentlich bis heute aufmischten. Magie der Sprache nannten die Autoren Bandler und Grinder ihre Arbeit.

 

Nun haben sich die NLP-Spezialisten anfangs meistens gerade nicht für Spiritualität interessiert. Meistens haben sie in der Wirtschaftswelt für mehr Effizienz gesorgt, indem sie Kommunikationsprozesse modellierten, den allgegenwärtigen Traumata der Führungsetagen erfolgreich den Kampf ansagten und überwiegend dazu beitrugen, für mehr Arbeitszufriedenheit zu sorgen. Viele (bei weitem nicht alle) der sogenannten Coaches sind auch heute NLP-Experten, manche sogar NLP-Master (wie der Autor). Das NLP selbst ist posthum gut verifiziert von der Neurowissenschaft auch als Neurolinguistische Psychologie nicht oder jedenfalls nicht mehr als Werkzeugkoffer im öffentlichen Bewusstsein geblieben. Was genauer betrachtet eine Panne ist. Tatsächlich ist NLP (egal, wie es heute genannt wird) die Königsdisziplin der Kommunikationsmethodologie, weil zumindest auf der Master-Ebene das NLP alle kommunikationsorientierten Methoden locker integrieren kann. (Ein Beispiel wäre die von Milton Erikson erfundene Hypnotherapie.) Denn: Unsere Wirklichkeit ist in weiten Teilen begrifflich verfasst – siehe den Anfang dieses Beitrages. 

 

(Überspringen?)

 

Ganz eigene Wege gingen früher Eric Berne mit seiner schlicht genialen Transaktionsanalyse, die besonders für Paare eine sehr wirksame Methode von Erkenntnis und Veränderung anbietet, ähnlich wie die Erfindung der Themenzentrierten Interaktion von Ruth Cohen dies für Teams kann. Oder wie die Kommunikationspsychologie von Schulz-von-Thun, der die Sprache des Alltages in vier Richtungen zerlegt hat, um ihre Wirksamkeit besser zu verstehen und zu steuern. Andere Methoden (richtig, hier geht es um Methoden) werden hier nicht erwähnt. Der fehlende und fällige Beitrag zur Transpersonalen Psychologie folgt in den nächsten Monaten.

 

„Die Grenzen deiner Sprache sind die Grenzen deiner Welt“ schrieb Wittgenstein. Aus diesem Satz hat sich seitdem sog. Linguistik-turn in den 20ger Jahren des 20. Jahrhunderts eine eigenständige Sprachphilosophie entwickelt. Aber schließlich ist Sprache vorwiegend Praxis. Der Homo ludens (Begriffsbestimmung des Autors), der sprechende Mensch unterscheidet sich für das Werkszeug seiner Sprache (Tiere haben andere „Sprachen“) von diesem Unterschied abgesehen dadurch, dass er sich seines Sprechens bewusst sein kann und methodisch die Richtung zu ändern vermag. Eben senkrecht oder waagerecht, manchmal durcheinander.


Über vertikale und horizontale Gedanken

Denken kann als „operativer Vorgang von kognitiven Verhaltensmustern“ beschrieben werden. Oder anders – als ein „Vorgang, der kognitive Prozesse betreibt oder entdeckt oder verändert“. (Der Autor bemüht auch hier kein Lexikon). Selbstreflexiv oder objektorientiert sucht der Denkende nach dem, was Verstehen oder Vollziehen bzw. Nachvollziehen genannt werden kann. Ich beobachte das Außen: ich beobachte, was innen ist, meine innere Erfahrung. Von beidem erzähle ich mir. Oder schweige davon, wenn meine Sprache nicht ausreicht für das, was ich sagen möchte. Wer kennt das nicht?

 

Spätestens hier ist der Blick auf Niklas Luhmann, den großen Versteher der Kommunikation unverzichtbar. Für Luhmann schien es nur Kommunikation (und Systeme) zu geben, die sich mittels Codierung und Decodierung die Welt nicht nur erschließt (enträtselt), sondern auch formt. Der wesentliche Kommunikationscode des Menschen ist die Sprache; mithin nicht die Gebärde, der Geruch, die Geste. Eine Sprache, die sich nach innen und nach außen richtet: 

 

Ich spreche mit dir. Ich spreche mit mir. Ich spreche zu dir. Ich spreche zu mir. WIE tue ich das, und warum ist der Unterschied, die Unterscheidung so wichtig?

 

Die Wahrnehmung dieser Unterschiede entscheidet über unser Wohlempfinden, entscheidet über unser Leben als etwas, was wir gestalten oder nur hinnehmen, über das, was wir glauben, über unseren Glauben, unsere Gefühle, das, was wir lieben oder wovor wir Angst haben, was wir mögen oder ablehnen, unsere Werte, Tugenden und so weiter, weiter, weiter. Die Wahrnehmung der Unterschiede bestimmt unser SEIN. Jedenfalls zu einem erheblichen Teil. Man schätzt, dass circa 60.000 Gedanken täglich das Hirn durchkreuzen. 

 

Oben wurde gesagt, es gäbe ein WAS und ein WIE der Sprache. Wir können entscheiden, ob wir den Werkzeugkasten (wie wir denken) öffnen, um das, was wir denken, zu beeinflussen. Beides können wir wahrnehmen. Wenn wir das tun, das wahrnehmen, werden wir uns dessen bewusst, was in uns und um uns stattfindet. „Über vertikale und horizontale Gedanken“ beobachten wir das, was in uns stattfindet - und auf welche Weise.

 

Das horizontale Denken bestimmt weitgehend unser Alltagsleben. Es sind selbstlaufende Assoziationsketten, das ständige Surren im Kopf, das vom Einkaufen, Essen, Sex, Sport, Fernsehen, Radio, Gespräche über gestern oder morgen tagträumt und fast pausenlos wortlos (manche auch laut) am Brabbeln ist. Es ist das Beschwerde- und Unterhaltungsprogramm, das Rechthaben, sich Sorgen machen, das Probleme erfindet, meckert und ansonsten von Wiederholungen lebt. Es ist unkreativ, ängstlich, verlogen, verschlagen, gierig und egozentrisch. Es hält sich für den Nabel der Welt und zögert im Zweifel nicht, Gott dessen Rang streitig zu machen. Sein nächster Nachbar ist das Unbewusste.

 

Das vertikale Denken ist zielgerichtet, kausal, fokussiert, weiß um sich, kennt seine Fähigkeiten und Grenzen, ist sich seiner Werkzeughaftigkeit im Klaren, kann sich bewusst ein- und ausschalten, hat zumindest eine Ahnung davon, dass es gute Ideen zulässt, statt sie zu zerdenken (Wortschöpfung des Autors). Und dass alle großen Ideen, die etwas mit Kreativität zu tun haben, aus einer inneren Stille kommen, die jenseits des Denkens liegt. Das vertikale Denken ist das, was wir wirklich brauchen, um ein gutes Leben zu entwerfen und zu erhalten. Es brabbelt nicht, es labert nicht, es sagt nichts „mal so“ vor sich hin. Es ist ziel- und oft nutzenorientiert, will etwas Bestimmtes, kein Ungefähres, obwohl manchmal beides beim vertikalen Denken herauskommt. Nämlich dann, wenn es nicht besser geht, zum Beispiel, wenn die Fakten fehlen oder das Geld für den Neubau. Dann, wenn es scheitert (und das vertikale Denken erlaubt sich, zu scheitern, denn es weiß, dass es dadurch lernt) kann das vertikale Denken etwas Wunderbares: es hört auf, zu existieren, es schweigt. Sein letzter kluger Satz in etwa ist: ich weiß es nicht. Oder: wir müssen warten. Während das horizontale Denken weiter brabbelt, weil es ein Scheitern nicht ertragen kann, ist der nächste Nachbar des vertikalen Denkens die Stille.

 

Wittgenstein hat all das gewusst: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Jeder ZEN-Meister kennt es und versucht seinen Schüler beizubringen, nicht nur den Mund zu halten, sondern zu schweigen, also innerlich still zu werden. Meditation ist nichts anderes, als mit dem Denken aufzuhören bzw. nur dann das vertikale Denken einzusetzen, wenn eine Bank zum Sitzen gebaut werden muss. Das tun die Nonnen und Mönche fast wortlos.

 

Mit der unterscheidenden Erkenntnis, dass die meisten Probleme nur Themen sind, die durch vertikales Denken und einen angepassten Methodeneinsatz beseitigt werden können, beginnt Nachhaltigkeit. Gutes Coaching wird auf das Angebot einer Meditationstechnik zukünftig nicht verzichten können. Wenn wir (unsere Klienten) die Stille nicht wenigsten manchmal erfahren, werden die Schwierigkeiten trotz der oben angeführten Methoden zurückkehren. Noch einmal: Nachhaltigkeit beginnt mit der Erkenntnis, dass die meisten Probleme nur Themen sind, die durch vertikales Denken und einen angepassten Methodeneinsatz beseitigt werden können. 

 

So gut wie immer, ist das Erkennen und Verändern des eigenen Sprachverhaltes hilfreich. Wenn wir unserem Atem beobachten, können wir erspüren, ob wir uns mental in der Horizontalen oder in der Senkrechten befinden. Der vertikale Geist ist gelassen. Er verbrennt nicht mehr Energie als notwendig. Umgekehrt können wir durch Beruhigung des Atems (durch Meditation) den Zustand vertikalen Denkens herbeiführen, mindestens begünstigen.  

 

Von der Horizontalen zur Vertikalen. „Fördernd ist, die Luft anzuhalten.“                    – Lao Tse

 

Zusammenfassung: Nimm wahr, wie du denkst und was du denkst; finde heraus, ob es einen Sinn ergibt. Atme bewusst. Beende das Geschwätz. 

 

Über das Atmen, über Meditation und Stille – und endlich auch etwas zu              Carl Gustav Jung im nächsten Beitrag „Transpersonale Psychologie, Therapie und Coaching“.         

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ diesen Wahnsinn 

Einzug in unsere Gemüter (2025) 

Es ist gut zu beobachten: Viele Menschen sind während der letzten Jahre nachdenklicher geworden. Vor allem das Klimathema hat als „große Erzählung“ mehr noch als die Pandemie Einzug in unsere Gemüter gehalten. Überflüssig zu sagen, wie gut und richtig das ist. Es drückt und zieht uns eben auch hin- und heraus aus einer heimelig deutschen Gartenzwerg-Atmosphäre, die uns unempfindlich gegenüber dem rasenden Wandel um uns herum in Europa und der Welt zu machen droht.

Der erhebliche Strukturzerfall in fast allen Bereichen von Natur, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik ist so übermächtig, dass er die Sicht auf etwas ganz Wesentliches versperren könnte. Ich nenne es die Innenwelt – Grundlage all dessen, was wir wahrnehmen, spüren und bearbeiten können. Parallel zu den äußeren Unruhen treibt immer mehr Menschen die Frage um, was im Leben wirklich wichtig ist, worauf es ankommt, was „mich im Kern ausmacht, wofür ich stehe – und was ich mit meinem Leben und meiner Arbeit sinnvolles tun will oder tun möchte.“

Der nicht ganz unproblematische Trend zur Selbstoptimierung, nicht selten verbunden mit einer radikalen Selbstausbeutung, bekommt zusehends Konkurrenz. Die Idee des ewigen Wachstums wird inzwischen auch von konservativen Ökonomen hinterfragt, die Jahrzehnte lang den ohnehin völlig absurden Begriff „negatives Wachstum“ bzw. dessen gemeinte Realität gefürchtet haben wie der Teufel das Weihwasser. Nun erweist sich, dass das ungebremste Wachstum selbst der Teufel ist – wie der Krebs für den Organismus. Der Club of Rome hat schon Mitte der 1970er Jahre darauf hingewiesen: "Die Grenzen des Wachstums". Die Reaktion war – zum Teil bis heute – weitgehend Ignoranz.

50 Jahre verschlafen, in Worten: fünfzig!

Wenn nun die sich gerade erhebende Tendenz „Weg von der Quantität – hin zur Qualität“ weiter Raum greift (und das wird sie müssen, wollen wir halbwegs kultiviert überleben), dann werden sich auch unsere Werte und Überzeugungen wandeln müssen. Viele glauben noch, wir könnten irgendwie so weiter machen wie bisher, nur ein bisschen anders. Aber es wird nichts draus.

Coaching, Beratung und Mentoring können Beiträge zu etwas leisten, was wir in Deutschland schon bald nach 1945 so gut wie nie auf dem Planungszettel hatten: die Fähigkeit zum Verzicht. Verzichten können, wird zu einer neuen relevanten Kategorie bisheriger Werte. Zum Glück ist mit Verzicht nicht gleich so etwas wie Volksverarmung gemeint. Es geht um die Abkehr von der materiellen Gier, die längst schon den Grad mehrfacher Übersättigung erreicht hat. Das mag für manche, die jetzt schon wenig besitzen oder sich leisten können, und angesichts der gewaltigen sozialen Unterschiede, die es in unserem Land immer noch gibt, und die in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben, zynisch klingen. Wir müssen aber jetzt viel mehr über Werte und Ethik (Moralphilosophie) diskutieren, zu Sinnsetzungen und Entscheidungen Position beziehen, deren Auswirkungen weit über diese und die nächsten fünf Generationen hinausreichen.
Fast alles muss anders werden; bescheidener.

Wie wird dieses Andere gestaltet, wer wird es vorantreiben? Es sind – abgesehen von jedem Einzelnen, auch von der Familie – besonders die Leistungsträger in Management, Verwaltung und im Bildungssystem, Unternehmer und Leitende, die hier gefragt sind bzw. gefragt werden – zum Beispiel von ihren Mitarbeitern. „Was soll und muss ich zukünftig vermitteln, verlangen, senden?“ Oder: „Wie sehen mein Weg und meine Haltung aus, wenn der mir über Jahrzehnte vertraute Spiegel blind geworden ist.“ Was gibt es zu erfahren, zu beobachten, zu entdecken, was führt zur Umwertung der bisherigen Werte (Nietzsche), wenn die äußern Formen an Bedeutung verlieren?

Immer mehr erfahrene Führungskräfte fragen nach einem Angebot, das das ursprünglichen Business-Coaching erweitert. Executive-Mentoring ist ein anspruchsvolles alternatives Angebot für Leitende, die sich selbst neu (er)finden und ausrichten möchten, um einen anderen Beitrag als bisher für das Berufsumfeld, die Familie und auch für sich selbst zu leisten.

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